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Roger's Blog
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Mein erster Workshop, Eindrücke eines Trompe-Einsteigers
 
Nach meinem Besuch bei Roger Gilbert in 2017, dem Erwerb einer Trompe und dem folgenden Üben (meistens allein in den eigenen vier Wänden) war es soweit. Mein erster Workshop am 14./15. April 2018 im Naturfreundehaus „Alm“ im Walzbachtal stand an. Die Trompe und mich aufgehübscht (Instrument und ich wollten ja glänzend dastehen) sowie ein paar notwendige Dinge für die Übernachtung eingepackt, ging es am 14. auf die Piste. Ca. 350 km lagen vor mir und mit Hilfe von Google Maps fand ich auch mein Ziel. Wie so oft im meinem Leben, die weiteste Anreise und als Erster vor Ort. Dies gab mir Gelegenheit schon mal einen Blick in die hotelähnliche Anlage zu werfen. Mein erster Eindruck, hier bist du gut aufgehoben. Die anderen Teilnehmer und Roger kamen nach und nach, wir stellten uns vor und nach kurzem Smalltalk ging es in den Unterrichtsraum.
 
 
Platznehmen im Kreis und Trompe anfassen war der Auftakt für alle. Aufgrund der Gespräche im Vorfeld war für mich war klar, hier sind Könner am Werk, die sich nur verbessern wollen, aber wie passe ich in diese Gruppe? Mein Können bewegte sich auf dem Niveau Luft ins Mundstück rein und hoffen, dass ein Ton entsteht, der vorn rauskommt. Aber unser Moniteur fing mit der Basis an. Haltung, Atmung und die Luftsäule aufbauen. Zum ersten Mal erfuhr ich, dass man durch den Bauchnabel ausatmet. Der erste Lerneffekt war da! Ich hatte ja im Vorfeld gehört, bei den Trompe -Bläsern sei vieles anders und einzig. Ich wurde voll bestätigt. Auch eine stramme aufrechte Haltung wurde als nicht erfolgversprechend abgeschafft. Sogar das Instrument durfte ich nicht mehr wie eine Hantel festhalten, zwei Finger jeder Hand mussten genügen, um das wertvolle Messing nicht auf den Boden fallen zu lassen. Das Mundstück muss auch nicht gepresst werden, Leichtigkeit und Natürlichkeit sind vom Meister angesagt, schließlich muss der Unterkiefer bereit für Bewegungen sein. 
 

All diese Erklärungen wurden von Roger demonstriert und jeder Teilnehmer wurde der Reihe nach aufgefordert es ihm gleichzutun. Jeder, auch ich, verspürte sofort eine Verbesserung seiner Ausgangssituation, die sich im volleren satteren Tönen niederschlug. War das Ergebnis wie gewünscht, folgte das Lob des Moniteurs. Klappte es einmal nicht auf Anhieb wie gewünscht, blieb jeder Tadel aus. Mit seiner ihm eigenen Geduld demonstrierte und erklärte Roger allen und dem einzelnen Betroffenen, woran es liegen könnte oder wo noch ein wenig Verbesserung möglich war. Dieses Verhalten ist mir besonders angenehm aufgefallen, kein Belehrender und Besserwisser, sondern jemand, der mit Erwachsenen gleichberechtigt umgeht, auch wenn er über ein Thema mehr weiß und kann als die Teilnehmer des Workshops.

Diese Art des Miteinander und voneinander Lernens zog sich durch alle weiteren Übungen hindurch. Tenor der gesamten Veranstaltung: beginnt immer mit der Basis (Haltung, Atmung), mit den tieferen Tönen und erarbeitet den Rest über üben, üben und nochmals üben. Daneben gab es Tipps zur Stärkung der erforderlichen Muskulatur und der ein oder anderen Technik.

Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Blasen der Cloches de Dampierre. Gut, dass alle kräftig in die Trompe bliesen, so könnte ich meine schrägen Töne darin verstecken. Im Ganzen klang es aber trotzdem angenehm.

 

Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Blasen der Cloches de Dampierre. Gut, dass alle kräftig in die Trompe bliesen, so könnte ich meine schrägen Töne darin verstecken. Im Ganzen klang es aber trotzdem angenehm.

Abendessen mit viel Gelegenheit, die Bekanntschaft mit den Teilnehmern des Workshops zu vertiefen. Nach einer geruhsamen Nacht ein gemeinsames Frühstück. Alles auf einem nicht zu erwartenden Niveau. Hier Dank an die guten Geister des Naturfreundehauses.

 

Mit etwas kleinerer Mannschaft ging es dann zum Endspurt. Nochmal wurde alles Gesagte ins Gedächtnis gerufen und geübt. Besonders die Arbeit mit der Luftsäule beim Verändern von Lautstärke und Bindungen brachte Allen richtige Aha-Erlebnisse. Sogar der Weg zum Tayaut konnten die meisten Teilnehmer beschreiten. Ich habe mich bei dieser Übung des nächsten Levels dann doch lieber zurückgehalten. Beim Abschluss des Workshops gab Roger allen auf den Weg, an der Haltung und Atmung zu arbeiten, die unteren Töne verstärkt im Auge zu haben und das Blasen von Fanfaren hintenanzustellen. Außerdem sollte jeder an seiner speziellen Muskulatur arbeiten, damit die Ergebnisse noch besser werden. Üben, üben und nochmals üben ist neben dem Verständnis der sonstigen Besonderheiten der Trompe der einzige Weg zum besser werden und letztendlich zum persönlichen Erfolg.

Nach einem guten Mittagessen und Gesprächen auch abseits der Trompe trat ich die Heimreise mit der Gewissheit an, ich komme wieder. Denn auf die Frage, warum ich mir ausgerechnet die Trompe de Chasse ausgesucht habe, kann ich nun antworten: „Weil sie und ihre Begleitumstände mein Leben in jeder Hinsicht bereichern.“

 

Bernd Marka