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Im Barock wurde die künstlerische Freiheit des Musikers oft über die Urheberrechte des Komponisten gestellt, daher wurde auch selten mehr als die Melodiestimme in einem Ton Simple notiert.

In diesem Workshop wird der Versuch unternommen, im Interesse der Reproduzierbarkeit für Anfänger und zum Schutz der Zuhörer bei Ensemble-Vorträgen die bläserischen Ornamente des Ton de Vénerie in ein klar definiertes Korsett zu pressen. Um trotzdem möglichst nahe an die aktuellen Konventionen und die Auffassung der Richter bei Wettbewerben zu kommen, sind folgende Punkte zu beachten:

  • Unterstellt man einen Zusammenhang zwischen dem Komponisten und dem Autor des Merkverses, erhält man eine wertvolle Interpretationshilfe. Es ist zwar Usus, eine Phrase am Stück durchzublasen, aber Satzänderungen können Indikatoren für die gewollte Ausführung sein. Diese Änderungen sind in den Noten durch ein Atemzeichen dargestellt. Sollte unterwegs die Luft ausgehen, bitte ausshließlich an diesen Zeichen einatmen.

  • Ein 6/8-Takt besteht leider aus genau 6 Achteln. Wird die erforderliche Betonung einer Achtel durch Punktierung dargestellt, so muss eine andere Note innerhalb des Taktes zur Sechzehntel werden. In der gehörten Realität ist eine Sechzehntel bzw. ihr Äquivalent als Verlängerugspunkt nicht notwenigerweise die Hälfte einer Achtel – durch Zuhören Gefühl entwickeln!

  • Damit aus einer Jagdfanfare im 6/8-Takt kein Wiener Walzer im ¾-Takt entsteht. wird in einem Volltakt immer die erste Note betont. Diese Betonung ist hier – wenn nicht durch Fermate oder Vibrato dargestellt – durch einen kleinen Kreis gekennzeichnet.

  • In seiner Trompe-Schule stellt Jules Cantin klare Regeln auf, unter welchen Voraussetzungen Roulé und Tayaut obligatorisch sind. Diese müssen geblasen werden, alle anderen Variationen sind fakultativ und bieten damit ausreichend Raum für personliche Interpretationen.

  • Es gibt nicht nur ein, sondern zwei Formen des Roulé. In der aktuellen Praxis wird unterschieden zwischen drei gleichen und drei absteigenden Achteln.

  • Ein Tayaut ist im Ton Simple dargestellt durch eine Viertel gefolgt von einer Achtel. Die Viertel wird in zwei Achtel ausgelöst. Im Originalton sollte das Geräusch zwischen zwei Achteln eines Tayauts ein quietschendes Etwas sein, das bis zu einer Oktave über dem Ausgangston liegt. Aus Gründen der Lesbarkeit wird es hier als sechzehntel Vorschlagsnote in Form einer Terz dargestellt. Im Duo oder Trio sollte auch der Vorschlag harmonischen Richtlinien folgen.

  • Um die Phrasen einer Fanfare zu Übungszwecken zu separieren, ist pro Notenzeile fast ohne Ausnahme nur eine Phrase dargestellt. Der erste Takt der nächsten Notenzeile ist i.d.R. Bestandteil des Taktes mit der Fermate. – Original siehe FITF: Recueil Didactique.

  • Fermaten innerhalb der Fanfare dauern etwa die doppelte Taktlänge, am Ende der Fanfare die dreifache.

  • Im Ensemble-Spiel hat m.E. das Erlebnis für den Zuhörer Vorrang vor der künstlerischen Entfaltung der Protagonisten. Gemeint ist hier ein vom Sinn der Fanfare völlig losgelöster Bass. Gemeint sind aber auch Einschränkungen der Harmonie durch die Naturtonreihe, wenn sie die erforderliche Auflösung dissonanter Akkorde durch konsonante Akkorde nicht zulässt. In den beigefügten Noten für Duo und Trio folgt die zweite Stimme harmonisch der Melodie. Der Bass ist dargestellt als die zweite Stimme der zweiten Stimme.